Kaiserschnitt nach Wunsch: eine Abkürzung mit riskanten Folgen

Früher galt der Kaiserschnitt (Sectio caesarea) in der Geburtshilfe als ultima ratio, also als letzte Möglichkeit, in ansonsten auswegloser Situation ein Kind doch noch auf die Welt zu holen. Bis in die Neuzeit war der Kaiserschnitt fast immer mit dem qualvollen Tod der Mutter verbunden. Noch vor 30 Jahren war dieser operative Eingriff mit relativ hohen Risiken für Mutter und Kind behaftet.

Heute werden in Brasilien 80 % der Kinder per Kaiserschnitt geboren, 10 – 40 % in Europa, wobei Deutschland mit 27 % im Mittelfeld liegt, allerdings mit steigender Tendenz. Wie entsteht der Wunsch bei Frauen, ihre Babys mit fremder Hilfe auf die Welt holen zu lassen, statt sie selber zu gebären? Befragt man die Frauen, so Prof. Beate Schücking aus Osnabrück, in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Natur & Heilen, so ist es vor allem die Angst vor Komplikationen bei der Geburt und vor großen Schmerzen. In Ländern, in denen Hebammen eine wichtige Rolle spielen, wie zum Beispiel in Skandinavien, ist diese Angst offenbar sehr viel weniger verbreitet, denn hier findet man die niedrigste Rate an Kaiserschnitten, nur rund 10 %.

Dr. Angelica Ensel, selbst Hebamme, promovierte Ethnologin und Journalistin, sieht noch ein anderes Problem: Bei 70 % der deutschen Frauen soll eine “Risikoschwangerschaft” vorliegen, obwohl dies in den meisten Fällen gar nicht zutrifft. Deshalb tendieren sowohl Ärzte als auch Kliniken mehr und mehr zum Kaiserschnitt, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen. Was den Frauen häufig nicht ausreichend erklärt wird, ist, dass abgesehen von den unmittelbaren Gefahren durch den operativen Eingriff die Entscheidung für einen Kaiserschnitt ohne dringende medizinische Gründe ein Trauma für Mutter und Kind sein kann, das unter Umständen lebenslang eine Belastung darstellt.

Für Ärzte und Krankenhausträger hat der Kaiserschnitt eine ganze Reihe handfester Vorteile: Im Gegensatz zu einer natürlichen Geburt mit all ihren Unwägbarkeiten ist der Kaiserschnitt eine terminlich und logistisch planbare Operation. Außerdem kostet er doppelt soviel wie eine natürliche Geburt – bei geringerem personellen Aufwand – und spült daher mehr Geld in die leeren Krankenhauskassen. „Unter der Hand hört man“, so Edith Wolber, vom Bund deutscher Hebammen, im Stern „dass sich eine geburtshilfliche Abteilung erst dann rentiert, wenn rund 30 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt erfolgen.“

Eine gute Adresse für Frauen, die unter traumatischen Kaiserschnitt-Erfahrungen leiden und Hilfe suchen ist das Kaiserschnitt-Netzwerk der Ärztin Katrin Mikolitch.

Weitere Informationen zum Thema Kaiserschnitt: Quelle: stern, Bild: Pflegewiki

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